| Mein Kind friert beim Schwimmen |
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Mein Kind friert beim Schwimmen. Was kann ich tun? Aus aktuellem Anlass, wollen wir den Eltern unserer Schwimmanfänger, die sich derzeit mit der Problematik auseinander setzen müssen ein wenig Hilfe an die Hand geben. Ihr Kind friert beim Schwimmunterricht und möchte am liebsten nicht mehr ins Wasser. Woran liegt das? Wenn wir auf diese Frage eine pauschale Antwort geben könnten, wären wir sehr glücklich. Das Thema ist aber, wie so vieles im Leben eines Kindes, nicht ganz trivial. Festzuhalten bleibt, das tendenziell dünnere Kinder, also mit weniger Unterhautfettgewebe, eher dazu neigen, als Kinder mit mehr Unterhautfettgewebe. Ein nicht unwesentlicher Punkt ist der Umgang mit der Dusche vor dem Schwimmen. Ein Kind das sich aus hygenischen Gründen kurz mit lauwarmen Wasser abduscht (um z.B. Schweiß, lose Hautschuppen und Haare abzuspülen) wird weniger frieren, als ein Kind das sich mit einem heissen Dauerstrahl den Rücken rotglühend 'anbraten' lässt. Es ist aber auch klar das man den meisten 4- bis 5-jährigen nicht den Sinn vom kaltem Duschen erklären kann. An dieser Stelle hilft nur "learning-by-doing". Was macht man nun bei Kindern die frieren und auch noch dünn sind. Hier hilft häufig das kalte Duschen nur wenig. Dazu muss man verstehen was Frieren und damit verbunden das Zittern überhaupt bedeutet. Wenn ein Mensch friert hat er zwei Mechanismen, um sich selbst zu wärmen bevor er erfriert. Er bekommt zu erst eine Gänsehaut. Dabei stellen sich die Körperhaare auf und bilden isolierende Mikroluftpolster. Bei Kindern mit noch wenig Körperbehaarung und nasser Haut gleich zwei Faktoren die ausscheiden. Wenn das nicht hilft, wird vom Körper ein weiterer physikalischer Trick zur Wärmegewinnung angewandt - das Zittern. Das Zittern produziert Reibungswärme in der Muskulatur und ist daher ein hilfreicher Prozess und kein schlechtes oder gar ungesundes Zeichen. Positiv formuliert heisst das, ein Kind das zittert wärmt sich gerade auf. Da wir beim Schwimmenlernen von einem Vorgang in meist geschlossenen Räumen bei einer Hallenlufttemperatur von 28°C und einer Wassertempartiur von rund 26°C sprechen, ist das nicht unbedingt ein Klima, bei dem man unmittelbar erfriert oder sich eine Lungenentzündung holt. Oft ist es so, dass wenn man frierend ins Wasser geht, nach einem kleinen Moment des tiefen Luftholens das Wasser als warm empfindet. Temperaturempfindungen sind von Mensch zu Mensch unterschiedlich und sehr oft kopfgesteuert. Wer viel darüber nachdenkt wie kalt das Wasser ist, dem wird sicher auch schneller kalt. Was kann man machen, damit sich das Kind schneller an die Wassertemperaturen gewöhnt bzw. später beginnt zu frieren? Wie schon Eingangs beschrieben, ist zu warmes Duschen vor dem Schwimmen der falsche Weg. Um diesem Bedürfnis vorzubeugen, sollte man bereits frühzeitig zu Hause üben, am Ende des Duschens (auch beim Baden) immer kalt zu duschen. Wir kennen alle den Effekt, das man gerade schön heiss geduscht hat und sich abtrocknet und plötzlich anfängt zu schwitzen. Der Körper öffnet die Poren und versucht die Körpertemperatur durch Schwitzen zu senken. Das Selbe passiert umgekehrt, wenn man zu kalt duscht. Man friert und der Körper beginnt Energie zu verbrauchen und heizt sich auf, in dem er Wärme aufstaut und alle Poren verschliesst. Im Übrigen gibt der Körper mehr als 60% seiner Wärme über den Kopf ab, denn das Gehirn verbraucht im Körper die meiste Energie. Das heisst im Umkehrschluss, man sollte eine isolierende Silikon-Badekappe aufsetzen. Es ist übrigens ein Trugschloss, wenn man glaubt, je mehr man sich im Wasser bewegt, desto wärmer wird einem dabei. Wenn man sich viel und schnell im Wasser bewegt, passiert das selbe wie an Land. Der Körper läuft heiss und versucht zu kühlen und schwitzt. Ja - man schwitzt im Wasser. Nur das man das nicht merkt. Als weitere Wärmeisolierung kommen viele Eltern auf die Idee ihre Sprösslinge in Neoprenanzüge zu stecken. Nicht nur, dass die Kinder im Handumdrehen rausgewachsen sind, sie müssen auch den Richtigen kaufen, damit es kein teurer Fehlkauf wird. Grundsätzlich ist zu sagen das ein Anzug die Wasserlage, also die horizontale Position des Körpers im Wasser, verbessert. Ein Neopren kann wie eine Schwimmhilfe Auftrieb geben. Wenn er richtig sitzt, also mehr oder weniger wasserdicht (mit der Möglichkeit zur Bildung von Luftpolstern unter dem Anzug) ist, dann kann er das Problem des Auskühlens und Frierens sicher sehr lösen. Die Praxis sieht erfahrungsgemäß aber vollkommen anders aus. Es wird oft der billigste Anzug ausgesucht, da der Anzug unmöglich mehr kosten kann, als der ganze Schwimmkurs. Ausserdem wird gerne auf Zuwachs gekauft und damit ist er meist zu groß und das Wasser läuft wieder über die Haut im Anzug und der Effekt ist dahin - das Kind friert immer noch. Manche Anzüge haben nur den Anschein aus Neopren zu sein, wirken aber wie ein Schwamm und wiegen vollgesaugt fast "eine Tonne". Ein weiterer Nachteil, ein Neoprenanzug ist mit Ausnahme der Triathlonanzüge (für rund 200 bis 1.000 Euro) nicht zum Schwimmen im Sinne von Brustschwimmen geeignet. Die Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt und durch den Auftrieb bekommt man kein Wassergefühl und letztlich lernt man dadurch nicht schwimmen. Ein Neopren ist gut geeigent für das Baden im Meer oder Se. Zum Schwimmenlernen ist es eine psychologische Krücke die, wenn man sie zu lange trägt, das Gegenteil bewirkt. Wie Sie sehen gibt es kein Allheilmittel für die Frage: "Was kann ich dagegen tun das mein Kind friert". Es gibt nur Ansätze die man berücksichtigen kann. Erfahrungsgemäß nimmt das Frieren am Beckenrand mit zunehmendem Alter ab und ist im Jugendlichenalter fast vollständig verschwunden. Copyright: HBO/Z88 - 2011 |
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