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In Zehlendorfer Schwimmbad entweicht giftiges Chloroform Drucken

3. Januar 2001 - Im Hallenbad am Hüttenweg wird das Wasser zu stark mit Chlor versetzt, Gas wird frei - Dennoch Schul- und Vereinsschwimmen

Thomas Verstege sagt Nein. Der Schöneberger Arzt hat seinen beiden ältesten Kindern verboten, ins Zehlendorfer Schwimmbad am Hüttenweg zu gehen. Er bekam eine Warnung von einem Bad-Mitarbeiter. "Mein Bekannter erzählte, das Schwimmbad soll nicht modernen Anforderungen entsprechen. Um eine Gesundheitsgefährdung der Besucher auszuschließen, soll getrickst werden. Zum Beispiel sei der Anteil gebundenen Chlors im Wasser manchmal bis zu vierfach erhöht", begründet der Allgemeinmediziner, warum er seinen Kindern das Vereinsschwimmen untersagt. Das Hüttenweg-Bad wurde Ende November für den öffentlichen Betrieb geschlossen, weil Lungenentzündung verursachende Legionellen im Wasser entdeckt wurden. Nur Schulkinder und Vereine schwimmen dort noch. Viele der kleinen Besucher klagen regelmäßig nach dem Schwimmen über Reizungen von Haut und Augen. Tatsächlich entspricht das einst von den Amerikanern erbaute Schwimmbad am Hüttenweg nicht allen heutigen Anforderungen. "Als nicht DIN-gerecht ist die an den jeweiligen Stirnwänden des Beckens befindliche Einströmung des Beckenwassers zu bezeichnen", räumt Manfred Radermacher, Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe (BBB), ein. So würden nicht immer die geforderten Wasserwerte erreicht. Zudem, so führt Radermacher weiter aus, "ist das Speichervolumen für das Nachspeisewasser zu klein, um den benötigten Bedarf pro Gast abzusichern". Was das bedeutet, sagt BBB-Geschäftsstellenleiter Hans-Joachim Munte: "Das Bad nutzen zu viele Menschen. Wir haben nicht immer die Wasserwerte, die wir gerne hätten, sondern sind immer am Grenzwert." Kommenden August wolle man die "Mängel" beseitigen, teilten die BBB jetzt mit. Experten warnen jedoch im Zusammmenhang mit Chlor stets auch vor dem unerwünschten Nebenprodukt Chloroform. Die als "krebsgefährlich" eingestufte Verbindung entweicht als Gas in die Raumluft und ist direkt über dem Wasser besonders hoch. "Das eingeatmete Gift ist wesentlich schädlicher als ein großer Schluck Badewasser", stellt Peter Hermes, Redakteur der Zeitschrift Öko-Test, fest. Auch Mediziner warnen: "Bei erhöhten Chloranteilen in Luft und Wasser ist immer die Gefahr von Organschäden gegeben", sagt Rüdiger Fengler, stellvertretender Direktor der Kinderklinik für Onkologie am Virchowklinikum. Anke Otto (B90/Grüne), seit gestern amtierende Gesundheitsstadträtin in Steglitz/Zehlendorf, hört das so zum ersten Mal. "Wenn das stimmt, müssen wir dem nachgehen.

(MyPersonalContent v1.3 © Rico Pinzke)
 
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