Große Worte fielen am gestrigen Mittwoch zum Start der Sanierungsarbeiten im Schwimmbad an der Finckensteinallee. Von einem historischen Tag sprach Bäderchef Klaus Lipinsky in Lichterfelde, von einem wichtigen Meilenstein und der Zielgeraden.
Seit vier Jahren läuft das Bädersanierungsprogramm, für das insgesamt 73 Millionen Euro von Land und Bund zur Verfügung gestellt wurden. Mit dem Baustart an der Finckensteinallee "wird jetzt das letzte Großprojekt in Angriff genommen", sagte Lipinsky. In zwei Jahren sollen alle Schwimmbäder in Berlin wieder fit für die Zukunft sein.
Das Bad an der Finckensteinallee ist mit 10,5 Millionen Euro Sanierungskosten nicht nur eines der teuersten im Rahmen des Bäderprogramms, sondern auch die Halle, um die Bauplaner, Architekten, Denkmalschützer und Schwimmvereine am längsten gerungen hatten. 2007 sollten ursprünglich die Arbeiten an der Lichterfelder Schwimmhalle beginnen, die 1937/38 auf dem Gelände der ehemaligen Kadettenanstalt entstand. Zu dieser Zeit war dort die Zentrale von Hitlers Leibstandarte untergebracht. Mit einem Becken von 50 Metern Länge und bis zu 4,5 Metern Tiefe galt die Schwimmhalle damals als die größte Europas.
Allein die imposante Höhe der Halle von 15 Metern ist heute noch beeindruckend. Diese war allerdings auch aufgrund des Zehn-Meter-Turms notwendig. Der Sprungturm sorgte schließlich für eine Debatte, die den Baustart um viele Jahre verzögern sollte. Während der Denkmalschutz darauf bestand, dass der Turm erhalten bleibt und saniert wird, wollten die Bäderbetriebe aus Kostengründen darauf verzichten. Die Bäderbetriebe konnten sich durchsetzen. Der Sprungturm kommt weg. "Damit sparen wir nicht nur Baukosten sondern auch Wasser- und Betriebskosten", sagt Matthias Oloew, Sprecher der Bäderbetriebe.
Künftig wird das Becken nur noch zwei Meter tief sein. Das alte verschwindet und wird durch ein neues mit grün-türkis schimmernden Fliesen ersetzt. Gleichzeitig werden die alten technischen Anlagen im Keller durch moderne Geräte ersetzt. Schadstoffe müssen entsorgt, das Dach abgedeckt werden. Besucher erwartet nach der zweijährigen Bauzeit ein neues Lichtkonzept in der Halle, auch die Garderoben und Duschen sind komplett neu gestaltet. Mit der Wiedereröffnung des Schwimmbades im Jahre 2013 steht die Halle nicht nur wie bisher Schulen und Vereinen zur Verfügung sondern erstmals auch der Öffentlichkeit. "Eine Halle für alle" so lautet der Slogan, der die Bauarbeiten begleitet.
Nur noch zwei Bäder im Südwesten
Das Bad an der Finckensteinallee wird dringend gebraucht. Von einst fünf Hallen der Bäderbetriebe sind nach der Schließung der Stadtbäder Steglitz und Zehlendorf sowie der Lichterfelder Halle nur noch zwei übrig geblieben - zum Ärger der Schwimmvereine im Südwesten. Die Schwimmgemeinschaft (SG) Steglitz habe die Hälfte ihrer Mitglieder verloren, sagt der sportliche Leiter, Jörg Runkel. Von 1400 seien noch 650 übrig gebelieben, die in verschiedenen Hallen von Friedrichshain bis Pankow ihr
Training absolvierten. Nach der Wiedereröffnung der Finckenstein-Halle müssten sie den Verein wieder aufbauen, sagt Runkel.
Wie groß das Interesse an der Halle ist - auch beim Spitzensport - sollte Schwimmweltmeistern Britta Steffen demonstrieren. Sie war beim symbolischen Baustart mit Bagger, Countdown und rotem Knopf dabei, "um ein Zeichen zu setzen, dass die Halle gebraucht werde", sagte Michael Schenk von der Geschäftsführung der Bäderbetriebe. Das sanierte Bad wolle sie sich auf jeden Fall ansehen und auch mal eine Runde schwimmen, sagt Britta Steffen. Ihre Heimat bleibe aber das Sportforum Hohenschönhausen. Im Moment trainiere sie für die Deutschen Meisterschaften und die WM-Qualifikation. Aber auch Olympia habe sie im Visier, sagt die Sportlerin.
Insgesamt 45 Standorte werden im Rahmen des Bädersanierungsprogramms erneuert und modernisiert. 2007 wurde das Programm aufgelegt, insgesamt 50 Millionen stammen aus dem Verkauf der Gewerbesiedlungsgesellschaft (GSG). Die restlichen 23 Millionen kommen aus dem Umweltentlastungsprogramm und dem Konjunkturpaket. Teilweise sei auf 36 Baustellen gleichzeitig saniert worden, sagt Bäderchef Klaus Lipinsky. Allein 6,5 Millionen Euro flossen in die Helene-Weigel-Halle in Marzahn, 3,2 Millionen Euro in das Bad am Dahlemer
Hüttenweg und 2,2 Millionen in die Halle auf der Fischerinsel. In den Kombibädern Spandau-Süd und Gropiusstadt sollen noch in diesem Jahr die Arbeiten beginnen.